8 deutsche Speditionssoftware-Anbieter im Vergleich 2026
8 deutsche Speditionssoftware- und TMS-Anbieter im Vergleich: Für wen sie passen, was sie kosten und wo Verlader-TMS die bessere Wahl ist.
Wer heute "Speditionssoftware Anbieter" sucht, landet in einem Wirrwarr aus TMS-Systemen für Fuhrparkbetreiber, Cloud-Tools für Verlader und Hybridlösungen, die beides versprechen. Das Problem: Ein System, das für einen Verlader gebaut wurde, bietet einer Spedition mit eigenem Fuhrpark zu wenig Tiefe in der Ressourcenplanung. Umgekehrt ist eine klassische Speditionssoftware für einen Hersteller, der nur Transportleistung einkauft, unnötig komplex. Dieser Vergleich ordnet acht deutsche und DACH-nahe Anbieter danach ein, für welche Zielgruppe sie tatsächlich gebaut wurden, nicht danach, was im Marketing-Blatt steht.
Warum "Speditionssoftware" und "Verlader-TMS" zwei verschiedene Kategorien sind
Der Kernunterschied liegt im Geschäftsmodell. Eine asset-basierte Spedition disponiert eigene Fahrzeuge und Subunternehmer, kalkuliert Tarife und rechnet Frachten ab. Ein Verlader dagegen kauft Transportleistung bei mehreren Carriern ein und braucht Ratenvergleich, Buchung und Sendungsverfolgung über Anbietergrenzen hinweg. Wer diese Unterscheidung bei der Softwareauswahl ignoriert, kauft am Bedarf vorbei und trägt am Ende doppelte Migrationskosten.
Für diesen Vergleich gelten vier Kriterien, angewendet auf jeden gelisteten Anbieter gleichermaßen:
- Hauptsitz oder Kernentwicklung in DACH oder ein klar erkennbarer Fokus auf den deutschsprachigen Markt
- Deutschsprachiger Support und deutschsprachige Benutzeroberfläche als Standard, nicht als Zusatzoption
- Aktiver Marktauftritt 2026 mit belegbaren Referenzen oder Kundenzahlen
- Öffentlich zugängliche Produktinformation zum tatsächlichen Funktionsumfang
Speditions-TMS: für Unternehmen mit eigenem Fuhrpark oder Subunternehmer-Netzwerk
Die folgenden sechs Systeme sind für Dispositionslogik gebaut. Sie eignen sich für Unternehmen, die Touren planen, Tarife kalkulieren und Frachten selbst abrechnen.
1. Soloplan CarLo
CarLo ist eines der bekanntesten TMS im deutschsprachigen Raum. Soloplan entwickelt und vertreibt das Transportmanagement-System CarLo, und weltweit setzen 1.700 Kunden und mehr als 33.000 User auf die Software. Das Unternehmen ist ein inhabergeführtes Familienunternehmen mit Sitz im Allgäu, gegründet 1991. Das System deckt multimodale Prozesse ab, von der Auftragserfassung bis zur Abrechnung, inklusive See- und Luftfracht-Add-ons.
Für wen: mittelständische bis große Speditionen mit multimodalem Bedarf.
Kosten: nicht öffentlich, Angebot nach Modulen und Usern.
Schwäche: kein originärer Multi-Carrier-Einkauf für Verlader-Szenarien mit vielen Parcel- oder LTL-Partnern.
2. LIS WinSped
LIS Logistische Informationssysteme aus Greven bietet mit WinSped eine modulare Speditionssoftware, die ein breites Spektrum abdeckt: KEP, Sammelgut und Systemverkehre, Teil- und Komplettladungstransporte, Automotive im VDA-Umfeld sowie ADR-konforme Gefahrgutabwicklung. Nach eigenen Angaben arbeitet LIS seit 44 Jahren an WinSped, und mehr als 1.200 Kunden in Europa vertrauen auf die Speditions-Software. WinSped ist als On-Premise-System verfügbar, ergänzt durch Cloud Services für webbasierten Zugriff.
Für wen: breit aufgestellte Speditionen mit Automotive- oder Gefahrgut-Anteil.
Kosten: nicht öffentlich.
Schwäche: der On-Premise-Kern erschwert eine schnelle SaaS-Skalierung für reine Verlader-Anwendungsfälle.
3. Solvares LP2
Solvares Logistics positioniert sich mit zwei aufeinander abgestimmten Produkten: Das TMS LP2 deckt den gesamten Transportprozess vom Auftrag bis zur Abrechnung ab und ist auf API-Integration mit bestehenden ERP- und WMS-Systemen ausgelegt. Ergänzt wird LP2 durch die Dispositionssoftware opheo und ein Freight Competence Center für Frachtenrevision.
Für wen: Speditionen mit Schwerpunkt auf Schnittstellenoffenheit zu bestehenden ERP-Landschaften.
Kosten: nicht öffentlich.
Schwäche: geringere öffentliche Referenzdichte als CarLo oder WinSped.
4. Dr. Malek M3 Logisticware
M3 Logisticware ist mit über 400 Kunden eine marktbestimmende Speditions- und Logistiksoftware für alle Anforderungen von Logistik 4.0, ergänzt um die Telematiklösung M3 App und die Entfernungswerke EWS. M3 beherrscht alle Arten des Straßentransports, von Stückgut über Ladungsverkehr bis KEP und Container-Trucking.
Für wen: kleinere und mittelständische Speditionen, die einen Einstieg ohne Enterprise-Komplexität suchen.
Kosten: nicht öffentlich.
Schwäche: begrenzte Tiefe bei internationalem Multimodal-Geschäft im Vergleich zu CarLo.
5. Brabender logistic suite
Die Schweizer Brabender Group kombiniert Software mit eigener Hardware. Die BRABENDER logistic suite ist derzeit das einzige Transport-Management-System mit eigener Telematik am Markt und bietet als All-in-One-Lösung Disposition, Abrechnung und Dokumentenmanagement, optional mit Modulen für Lager, Controlling und Fuhrparkmanagement. Das System kommt vor allem bei mittelständischen Speditionen zum Einsatz und unterscheidet sich von anderen TMS-Lösungen durch leistungsstarke Echtzeittechnologie und flexibles Scripting.
Für wen: Speditionen, die Software und Telematik aus einer Hand wollen.
Kosten: nicht öffentlich.
Schwäche: die Hardware-Bindung an die eigene Blackbox erhöht das Risiko eines Vendor-Lock-in.
6. SIRUM Logistics Suite
SIRUM aus Hamburg bietet eine webbasierte Lösung, die TMS und WMS kombiniert. Ein besonderes Highlight ist die tiefe Integration zwischen TMS und WMS, die durchgängige Abläufe von der Lagerlogistik bis zur Auslieferung ermöglicht, und das SIRUM TMS deckt alle zentralen Bereiche der Transportlogistik ab, von der Auftragserfassung über die Disposition bis zu ETA-Berechnungen und Fuhrparkverwaltung. Für DACH-Käufer relevant: die Suite wird in Deutschland gehostet, ohne US-Anbieter im Einsatz, mit voller DSGVO-Konformität, und die Logistikdaten bleiben in Deutschland.
Für wen: Speditionen, die TMS und WMS aus einer Hand mit deutschem Rechenzentrum wollen.
Kosten: gestaffelte SaaS-Pakete, konkrete Preise nicht öffentlich.
Schwäche: das kombinierte WMS/TMS-Modell kann für reine Transport-Use-Cases ohne eigenes Lager Overhead bedeuten.
Verlader-TMS: für Unternehmen, die Transportleistung bei mehreren Carriern einkaufen
Wer keinen eigenen Fuhrpark disponiert, sondern Frachtraum bei DB Schenker, DHL, DPD oder Dutzenden regionalen Carriern einkauft, braucht ein anderes Werkzeug: Ratenvergleich, Buchung und Tracking über Carrier-Grenzen hinweg statt Tourenplanungslogik.
7. AEB TMS
AEB aus Stuttgart positioniert sein TMS klar im SAP-Umfeld. Die Plattform vereint Planung, Ausführung und Optimierung internationaler Transportprozesse für End-to-End-Transparenz, geringere Kosten und höhere Resilienz. Die Integration erfolgt über unterschiedliche Technologien wie IDocs, Add-ons, Webservices oder REST-APIs, was für Nicht-SAP-Häuser einen relevanten Umsetzungsaufwand bedeutet.
Für wen: SAP-zentrierte Verlader mit Bedarf an Zoll- und Exportkontroll-Integration.
Kosten: nicht öffentlich, projektabhängig.
Schwäche: die enge SAP-Nähe erhöht für Unternehmen ohne S/4HANA-Landschaft den Integrationsaufwand spürbar.
8. Cargoson
Cargoson positioniert sich explizit als Verlader-TMS und nicht als Speditionssoftware. Statt Dispositionslogik für einen eigenen Fuhrpark stellt die Plattform direkte API- und EDI-Integrationen zu Carriern über alle Verkehrsträger bereit, von Teil- und Komplettladung über Paket bis Luft- und Seefracht, und bündelt Ratenvergleich, Buchung und Tracking auf einer Oberfläche. Mehr zu diesem Ansatz finden Sie auf cargoson.com.
Für wen: Hersteller, Großhändler und Händler, die mehrere Carrier orchestrieren statt einen eigenen Fuhrpark zu disponieren.
Kosten: nicht öffentlich, SaaS-Modell.
Schwäche: keine native Dispositions- oder Tourenplanungstiefe für Unternehmen mit eigenem Fuhrpark, hier bleiben CarLo und WinSped im Vorteil.
Entscheidungstabelle: Speditions-TMS vs. Verlader-TMS auf einen Blick
| Anbieter | Zielgruppe | Deployment | Kernstärke | Größte Einschränkung |
|---|---|---|---|---|
| Soloplan CarLo | Spedition | On-Premise, Cloud ab Q3 2026 | Multimodale Disposition, große Referenzbasis | Kein Multi-Carrier-Einkauf für Verlader |
| LIS WinSped | Spedition | On-Premise + Cloud Services | Automotive/VDA, Gefahrgut | Träge SaaS-Skalierung |
| Solvares LP2 | Spedition | Nicht öffentlich | API-Integration zu ERP/WMS | Geringere Referenzdichte |
| Dr. Malek M3 | Spedition | Nicht öffentlich | Einstieg ohne Enterprise-Komplexität | Begrenzte Multimodal-Tiefe |
| Brabender logistic suite | Spedition | Nicht öffentlich | Software + eigene Telematik | Hardware-Lock-in |
| SIRUM Logistics Suite | Spedition | SaaS, Private Cloud DE | TMS+WMS kombiniert, DSGVO-Hosting DE | Overhead ohne eigenes Lager |
| AEB TMS | Verlader | Native Cloud | SAP S/4HANA-Integration, Zoll | Hoher Aufwand ohne SAP |
| Cargoson | Verlader | SaaS | Multi-Carrier-API/EDI über alle Verkehrsträger | Keine Dispositionstiefe für Fuhrpark |
Checkliste: In drei Fragen die richtige Kategorie finden
- Disponieren Sie eigene Fahrzeuge oder Subunternehmer, oder kaufen Sie Transportleistung bei mehreren Carriern ein?
- Brauchen Sie Tourenplanung und Tarifkalkulation, oder eher Carrier-Ratenvergleich und Booking?
- Liegt Ihr Integrationsschwerpunkt bei SAP oder Microsoft Dynamics, oder bei Multi-Carrier-APIs?
Bei allen hier genannten DACH-Anbietern sind deutsche oder EU-Serverstandorte in der Praxis üblich, wie das Beispiel SIRUM mit explizitem Hosting in Deutschland zeigt. Prüfen Sie den Serverstandort und die DSGVO-Konformität dennoch im Einzelfall vertraglich, insbesondere bei Subunternehmern des Anbieters und bei Cloud-Migrationen wie der für 2026 angekündigten CarLo-Cloud-Variante.
Beginnen Sie die Auswahl nicht mit einer Funktionsliste, sondern mit der Frage, welcher der beiden Kategorien Ihr Geschäftsmodell entspricht. Erst danach lohnt sich der Blick auf Module, Preise und Referenzen der jeweils passenden Anbietergruppe.